Wallfahrtsbasilika Maria Taferl

Gr Gott | Sitemap

Geschichte und Wallfahrtslegende

Geschichte
Der Ort Maria Taferl liegt am Nordufer der Donau, nicht weit, bevor der große Strom beim Benediktinerstift Melk in seinem Lauf nach Norden schwenkt und durch die einzigartige Weinlandschaft Wachau fließt. Von dem malerisch auf einer Anhöhe 233 m über der Donau gelegenen Marienheiligtum bietet sich eine grandiose Fernsicht über das Donautal und die Hügellandschaft des Mostviertels bis auf die Alpenkette, die sich in einer Breite von über 300 km vor dem Besucher ausbreitet.


Die Gegend um Maria Taferl, der sog. Nibelungengau, ist altes Siedlungsland. Kleinpöchlarn, östlich von Maria Taferl, war bereits in der Jungstein- und der Bronzezeit besiedelt. Die Stadt Pöchlarn an der Mündung der Erlauf in die Donau geht zurück auf das römische Kastell Arelape, das die Donau als Grenze des Römischen Reiches zu den Germanenstämmen im Norden sicherte. Der uralte Verkehrsweg Donau war auch verantwortlich für den Aufschwung des unterhalb des Taferlberges gelegenen und 1144 erstmals erwähnten Ortes Marbach, der als Warenumschlagplatz Ausgangspunkt für einen Landweg nach Böhmen war. Eine erneute Blütezeit erfuhr der Ort mit dem Entstehen und Wachsen der Wallfahrt Maria Taferl nach der Grundsteinlegung der Kirche im Jahr 1660, einer Zeit nach dem großen Religionskrieg, dem Dreißigjährigen Krieg. Im Zuge der Gegenreformation entstanden allenthalben im Land neue Kirchenbauten und Wallfahrtsstätten, die weithin sichtbar vom Sieg der katholischen Kirche kündeten. Maria Taferl entwickelte sich sehr bald zum zweitgrößten Wallfahrtsort Österreichs nach dem traditionsreichen Mariazell. Der Zustrom von Gläubigen war im 17./18. Jahrhundert so groß, dass zeitweise 25 Priester mit der Betreuung der Wallfahrer beschäftigt waren. Für die Jahrhundertfeier der Grundsteinlegung 1760 sollen 700 Prozessionen und an die 19.000 Messen durchgeführt worden sein. Von der Beliebtheit der Wallfahrt zeugen heute noch die zahlreich erhaltenen Votivgaben in der Schatzkammer der Wallfahrtskirche sowie die Mirakelbücher, in denen Gebetserhörungen aufgezeichnet wurden und deren erstes bereits 1660 entstand.

Als sich gegen Ende des 18. Jahrhunderts mehr und mehr das Gedankengut der Aufklärung durchsetzte, das dem Wallfahrtswesen und anderen Ausprägungen gegenreformatorischer Frömmigkeitspflege skeptisch gegenüberstand, wurde Maria Taferl unter Kaiser Joseph II. mit einem Wallfahrtsverbot belegt und 1784 zur Pfarrkirche erhoben. Im Jahr darauf kam Maria Taferl, das zuvor zum Gebiet der Diözese Passau gehört hatte, zur neu gegründeten Diözese St. Pölten. Der weitere Niedergang des Wallfahrtswesens und die erneute Bedrohung durch die Napoleonischen Kriege zu Anfang des 19. Jahrhunderts führten dazu, dass zur Zweihundertjahrfeier der Grundsteinlegung 1860 nur noch 200.000 Pilger nach Maria Taferl kamen.


Erst im 20. Jahrhundert erfuhr die Wallfahrt wieder einen Aufschwung. Der zusammen mit seiner Gemahlin 1914 in Sarajewo ermordete Thronfolger Franz Ferdinand pilgerte zeit seines Lebens regelmäßig von seinem nahe gelegenen Wohnsitz Schloss Artstetten, wo er auch seine letzte Ruhestätte fand, nach Maria Taferl und bedachte die Kirche mit großzügigen Spenden. Eine von ihm geplante Renovierung wurde durch seinen gewaltsamen Tod verhindert.


Das Glasfenster über dem Kreualtar (Ost-Schiff) zeigt das Hl. Herz Jesu mit dem Thronfolger Franz Ferdinand mit seiner Frau Sophie.
Am 15. Dezember 1947 verlieh Papst Pius XII. Maria Taferl den Titel und die Würde einer Basilica minor mit den entsprechenden Rechten und liturgischen Bevollmächtigungen. Damit steht Maria Taferl unter dem besonderen Schutz des Papstes und in einer Reihe mit den bedeutendsten Kirchen der Welt. Seit 1969 wird die Wallfahrt durch den Orden der Oblaten der Makellosen Jungfrau Maria (OMI) betreut. Diese Ordensgemeinschaft wurde 1816 vom seligen Eugen von Mazenod, dem späteren Bischof von Marseille, gegründet und ist in der ganzen Welt missionarisch tätig.

< Bild links: Das Konopäum ist ein Zeichen einer "Basilica minor".
>Bild rechts: Der Hl. Eugen von Mazzenod, der Gründer der Oblaten - OMI

Das lang gestreckte Straßendorf Maria Taferl, östlich des Kirchenbaus, mit seinen zahlreichen Wallfahrtsständen entwickelte sich erst nach der Erbauung der Wallfahrtskirche. Die Bausubstanz der Bürgerhäuser und Gasthöfe mit ihren größtenteils erneuerten Fassaden stammt aus dem Ende des 19. Jahrhunderts, da 1870 eine Feuersbrunst alle Häuser bis auf drei vernichtete. 1928 wurde der Ort zum Markt erhoben. Heute strömen jährlich 250.000 bis 300.000 Besucher in die kleine Gemeinde mit rund 850 Einwohnern – seit dem Fall des Eisernen Vorhangs und den damit verbundenen Grenzöffnungen verstärkt auch aus Tschechien, der Slowakei und Ungarn.


Wallfahrtslegende

Der 443 m über dem Meeresspiegel sich erhebende Taferlberg, der früher Auberg hieß, war als südlicher Ausläufer des Waldviertels bis in das 17. Jahrhundert stark bewaldet. An einer alten dürren Eiche hing eine Holztafel mit einem Kreuz und Darstellungen von Maria und Johannes, weshalb der Platz unter der Bezeichnung „beim Taferl“ bekannt war.
Neben dem Baum befand sich eine roh behauene Granitplatte, der sogenannte „Taferlstein“. Er ist heute östlich vor der Wallfahrtskirche aufgestellt, umrahmt von einer Balustrade aus dem Jahr 1736. Bis 1744 stand er im Inneren des Kirchenbaus beim Gnadenaltar. Für die Zeit des Dreißigjährigen Krieges ist alljährlich am Ostermontag eine Art Waldandacht an dieser Stelle unter der Eiche überliefert.
Eng verbunden mit der Entstehung der Wallfahrt sind die Namen zweier Männer: des Viehhirten Thomas Pachmann und des Ortsvorstehers und Richters Alexander Schinagl, beide aus Kleinkrummnußbaum.    
Thomas Pachmann, seines Zeichens Gemeindehirte, befand sich am 14. Jänner 1633 auf der Suche nach Brennholz auf dem Taferlberg, als er die dürre Eiche erblickte. Da er das Kreuz auf der anderen Seite nicht bemerkte, hob er die Axt an, um den Baum zu fällen. Sie glitt ihm jedoch zweimal ab, allerdings ohne Schaden am Stamm der Eiche anzurichten, und verwundete Thomas Pachmann an beiden Beinen. Als er sich daraufhin am Fuß des Baumes niederließ, sah er das Kreuz, erkannte seinen Frevel und bat Gott um Verzeihung. Sogleich hörten seine Wunden auf zu bluten, und er konnte aus eigener Kraft nach Hause gehen.
Die Kunde von seiner wunderbaren Heilung ließ immer mehr Gläubige „zum Taferl“ strömen. Einer von ihnen war Alexander Schinagl, der von Depressionen und Selbstmordgedanken gequält wurde. Eines Nachts im Jahre 1642 befahl ihm eine Stimme, das Vesperbild, das er auf seinem Hausaltar aufbewahrte, zur Eiche auf den Taferlberg zu bringen und das morsche Kreuz zu ersetzen. Nachdem er diesem Ansinnen nachgekommen war, besserte sich sein Gesundheitszustand zusehends, und nach vier Jahren waren seine Beschwerden ganz verschwunden.

Im Jahre 1651 begann die dürre Eiche schließlich wieder zu grünen, und es verbreitete sich die Kunde von Heilungen und Gebetserhörungen. 1658-61 berichteten verschiedene Personen von Stern- und Lichterscheinungen sowie Prozessionen weiß gekleideter Engel auf dem Taferlberg. Nach Prüfung der Vorkommnisse und Einvernehmung zahlreicher Zeugen durch die zuständige Passauer Behörde, deren Protokolle sich bis heute erhalten haben, wurde die Erlaubnis zur Errichtung einer Wallfahrtskirche um den Eichenbaum herum erteilt, und am 19. März 1660, dem Fest des hl. Joseph, wurde der erste Gottesdienst an dieser Stelle gefeiert. Zur Feier der acht heiligen Messen erschienen bereits an die 1000 Wallfahrer.

Texte von Monika Soffner-Loibl - Kunstverlag Peda, Passau